Gedenkgottesdienst zum Tornado 1968

„Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben.“
Mit diesem Zitat aus Psalm 39, der Inschrift des Tornado-Gedenksteines, begann Pfarrer Joachim Wassermann den Gottesdienst zum 50sten Jahrestag der Katastrophe. Innerhalb weniger Minuten hatte der Wirbelsturm am Abend des 10. Juli 1968 vor allem das Unterdorf Rudmersbach in Schutt und Trümmer gelegt, Wald und Flur zerstört, Personen verletzt und sogar zwei Menschenleben gekostet. Dieser gedachte Wassermann im Besonderen.

Eindrücklich bis in die Details und so genau erinnert, als sei es gestern gewesen, war der Zeitzeugenbericht über jenen schwül-heißen Abend von Gaby Wieland, den Pfarrer Wassermann vorlas. Ebenso wie die Erinnerungen des damaligen Feuerwehrkommandanten Heinz Däuble, der es sich trotz weiter Anfahrt nicht nehmen ließ, im Gottesdienst anwesend zu sein: Wie man im wenig verwüsteten Oberdorf zunächst die Katastrophe kaum glauben konnte, wie dann noch in der Nacht umfangreichste Hilfsaktionen anliefen. Über die Feuerwehr selbst, das THW Wildbad bis zur Polizei in Calw – wo durch einen weitgereisten Oberkommissar überhaupt erstmals die Naturkatastrophe als Tornado eingeordnet werden konnte. Fast zwei Wochen lang waren die Feuerwehrkameraden täglich im Einsatz, Unterstützung und Solidarität der Menschen war beispielhaft.

Eine Bildschirmpräsentation alter Fotos von der Verwüstung wurde von Bernd Philippsen mit einer einfühlsamen Instrumentalimprovisation untermalt. Den Liederkranz leitete der Dirigent und Komponist außerdem zur Gottesdienstumrahmung an mit der Eigenkomposition „Am Anfang war das Wort“.

In seine Predigt von der Sturmstillung ließ Pfarrer Wassermann einfließen, dass Lebensstürme über jeden hereinbrechen können und dass Gottes Wege für uns Menschen oft schwer nachvollziehbar sind. Aber auch Dankbarkeit für die Bewahrung seit dem Tornado und für vielfache Bewahrung während des Sturmes vor 50 Jahren solle man sich vergegenwärtigen.

Bürgermeister Helge Viehweg, der mit Gemeinderäten am Gottesdienst teilnahm,  betonte am Ende, es sei gut, die Erinnerung wach zu halten und Kraft aus der Gewissheit des Zusammenhaltes zu ziehen. Gemeinsam mit Pfarrer Wassermann und in Anwesenheit vieler Gottesdienstbesucher legte er am Tornadogedenkstein ein Gesteck nieder.

Beim abschließenden Ständerling am Gemeindehaus gab es viel zu erinnern, neben Schrecken und Angst der damaligen Erlebnisse auch von gegenseitiger Unterstützung und oftmals tatsächlich wundersamer Bewahrung. Wenn eine junge Mutter ihr Baby kurz vor dem Sturm noch in ein anderes Zimmer untergebracht hatte oder ein Vater seinen Sohn aus dem Dachgeschoss in den Keller zu kommen anwies. Unvergessen waren die Ereignisse für all jene, die den Schrecken unmittelbar miterlebt hatten, ob als Familieneltern, junge Leute oder gar als Kinder. Auch solche waren gekommen, die schon Jahrzehnte nicht mehr in Ottenhausen leben, sich aber den Schicksalsgefährten von damals noch immer verbunden fühlen. Manches Detail des einen war für den anderen neu oder vergessen gewesen. Junge Leute lauschten beim Ständerling den Erzählungen der zahlreichen Zeitzeugen, beugten sich über alte Fotos und Zeitungsausschnitte, interessierten sich für die Geschehnisse.

Abgesehen vom Tod des Ehepaares Nittel war der Tenor überwiegend der, den eine Zeitzeugin schon der Presse gegenüber verwendet hatte: „Ein Wunder, dass wir alle überlebt haben.“

Winnie Gegenheimer

 

 

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