Verabschiedung von der Pfarrfamilie Wassermann

Wünsche für Pfarrer Joachim Wassermann und seine Familie beim Neustart, Wehmut über den Weggang nach dem gemeinsam Erreichten, Befürchtungen wie Zuspruch für die herausfordernde Zukunft der Kirchengemeinde Ottenhausen prägten den Abschiedsgottesdienst für den scheidenden Gemeindepfarrer.

Ob der Liederkranz und die Hauskreise mit Liedbeiträgen, Wassermann selbst in seiner Predigt, Dekan Joachim Botzenhardt in seinem Rückblick und dem Reisesegen, ob die Sprecherinnen und Sprecher der Grußworte bis hin zur Abschiedsrede in Reimform der stellvertretenden Kirchengemeinderatsvorsitzenden Jutta Zink – der Zwiespalt zwischen guten Wünschen für die Scheidenden und Ungewissheit der Zurückbleibenden war präsent. Grußworte sprachen weiterhin Hans Vester als Bürgermeister-Stellvertreter für die bürgerliche Gemeinde, Rektorin Evi Böhmer für die Grundschule sowie Frank Layher für die Vereine und Institutionen des Ortes.

Wassermann wird zum 1. September Pfarrer in Owen im Dekanat Kirchheim/Teck. Damit kehrt er zurück in seine Heimat, wo die Familie ihn, seine Frau Magdalena und die zwei kleinen Söhne künftig familiär unterstützen kann.

Fünf Jahre war er in Ottenhausen. Drei Jahre als Pfarrer im unständigen Dienst, folgte im November 2017 die  feierliche Einsetzung zum Gemeindepfarrer. „Mit Tablet an der Kanzel und Gitarre in der Hand“ beschrieb Dekan Botzenhardt den modernen jungen Pfarrer.

Dass Wassermann die Gemeinde eindreiviertel Jahre nach der Investitur nun verlässt, lässt den Pfarrplan 2024 viel früher greifen als geplant. 2017 im Dekanat erarbeitet und von der Landessynode beschlossen, sollte aufgrund des demografischen Wandels die „Pfarrstelle Ottenhausen im Distrikt Straubenhardt  bis 2024 aufgehen“. Jetzt wird die Pfarrstelle nicht mehr besetzt.

Die gottesdienstliche und seelsorgerliche Versorgung der 900 evangelischen Gemeindemitglieder, die Kasualien, der Religionsunterricht an der Grundschule, die Betreuung des Heims Hochmühle – alles, was Wassermann in seiner 75%-Stelle abdeckte – sowie die Übernahme der 25%-Stelle als Krankenhauspfarrer am Klinikum Neuenbürg sind neu zu organisieren. Die drei verbleibenden Pfarrer des Distrikts Straubenhardt werden gemeinsam mit den Kirchengemeinderatsgremien eine  Geschäftsordnung erarbeiten, welche die insgesamt 5.300 evangelischen Gemeindeglieder in Conweiler, Dennach, Feldrennach, Ottenhausen, Pfinzweiler und Schwann von drei Pfarrstellen aus versorgt. Bis diese Geschäftsordnung steht, gilt für Ottenhausen ein Vertretungsmodus. Thomas Held, Pfarrer der Kirchengemeinde Schwann-Dennach, hat aktuell die Konfirmandenarbeit übernommen. Matthias Gerlach, Pfarrer der Gemeinde Feldrennach-Pfinzweiler, ist zusätzlich stellvertretender geschäftsführender Pfarrer in Ottenhausen und übernimmt – mindestens bis Ende 2019 - die Sonntagsgottesdienste. Gemeinsam mit dem Conweiler  Pfarrer David Gerlach teilen sich beide die Vertretung in Ottenhausen, nicht zuletzt der Kasualien wie Trauerfeiern.

Welche Bestimmung das umfangreich sanierte Pfarrhaus künftig erhält, wird noch geklärt. Mit dem 46sten Pfarrer jedenfalls geht die 480 Jahre aufgezeichnete Geschichte der Ottenhäuser Pfarrstelle zu Ende. Mit einem Pfarrer, so sein Conweiler Kollege David Gerlach, der Gottes Wort meinungsstark  und überzeugend predigt. Gerlach war es auch, der bei allen Bedenken ein humorvoll-positives Signal in Richtung der Kirchengemeinde Ottenhausen sandte: „Sie haben ab heute drei Pfarrer!“ Wie es konkret ab 2020 weitergeht, bleibt spannend.